Hallo, ich bin Annette
Mein Blick auf Menschen und Räume hat eine lange Geschichte. Sie beginnt in einem braun-orange tapezierten Kinderzimmer.

Ich weiß noch genau, warum ich als Kind mein Zimmer oft umräumte
Die Wände meines Kinderzimmers waren braun-orange gemustert. Siebzigerjahre eben. Für mich war diese Tapete viel zu aufgeregt.
Also rückte ich meinen Schreibtisch ans Fenster. Dort musste ich sie nicht ständig ansehen und konnte stattdessen in den Garten schauen. Die Äste bewegten sich im Wind, das Licht veränderte den Raum und draußen gab es immer etwas zu entdecken.
Überhaupt stellte ich mein Zimmer ständig um. Ich schob das Bett an eine andere Wand, schlief eine Zeit lang sogar im ausgefahrenen Bettkasten – eine völlig neue Perspektive – und baute meine Regale immer wieder anders zusammen.
Ich wollte wissen, wie sich der Raum von einem anderen Platz aus anfühlt.
Damals hätte ich dafür noch keine Worte gehabt. Heute weiß ich:
Sobald ich meinen Platz im Raum veränderte, veränderte sich auch mein Blick. Und damit oft mein Gefühl in diesem Raum.
In dieser kleinen Geschichte steckt schon erstaunlich viel von dem, was mich bis heute beschäftigt.
Mit den Augen eines Kindes sehen.
Räume und Menschen begleiten mein Leben schon lange
Nach meiner Ausbildung als Hotelkauffrau arbeitete ich in Hotels, unter anderem bei Kempinski im Bereich Betriebsplanung Bau.
Später studierte ich Architektur an der Bauhaus-Universität Weimar. Mit 33 hatte ich mein Diplom in der Tasche und plante Architektur- und Innenarchitekturprojekte.
Mich interessierte dabei nie nur, ob ein Raum gut aussah.
Ich wollte verstehen, wie Menschen darin leben. Wie sie sich bewegen und was sie brauchen. Warum ein Raum für den einen funktioniert und für den anderen nicht.
2005 gründete ich meine Agentur Architekturtext.
Mehr als zwanzig Jahre arbeitete ich mit Architektur- und Planungsbüros, gab Seminare und begleitete als Lektorin Fachbuchautorinnen und -autoren.
Damit kam etwas Zweites hinzu, das meine Arbeit bis heute prägt: Sprache.

Ich saß Menschen gegenüber, die sehr viel über ihr Fach wussten, und hörte ihnen zu. Oft war die eigentliche Aussage unter Fachbegriffen, Gedanken und Einzelheiten kaum noch zu erkennen.
Dann fragte ich weiter. Ich ordnete, verband und suchte mit ihnen nach den Worten für das, was sie eigentlich sagen wollten.
Heute sehe ich darin eine erstaunliche Parallele zu meiner Arbeit mit Menschen in Übergängen.

Zwei Sätze brachten etwas ins Fließen
Ein befreundeter Architekt begleitete ein Paar, das einen alten Winzerhof zu einem Bed & Breakfast umbaute. Während die Bausubstanz mehr und mehr Form annahm, entstanden Fragen nach dem Leben in den Gebäuden. Er kam auf mich zu mit den Worten:
"Ich weiß nicht genau, was die beiden jetzt brauchen, aber ich glaube, du bist die richtige für sie."
Bei unserem ersten Gespräch interessierte mich zunächst nicht, welche Möbel dort stehen sollten. Ich wollte wissen, wie sie an diesem Ort leben wollten. Was ihre Gäste dort erleben sollten. Welche Atmosphäre zu ihnen gehörte und was sie im späteren Alltag brauchen würden.
Aus diesen Fragen entstanden nach und nach konkrete räumliche Entscheidungen.
Zum ersten Mal sah ich sehr deutlich, wie selbstverständlich sich bei mir etwas verband, das bis dahin oft nebeneinanderher gelaufen war:
Menschen wahrnehmen, genau zuhören, Bedürfnisse und Gedanken ordnen – und daraus räumliche Möglichkeiten entwickeln.
Wenig später sagte eine Freundin einen Satz zu mir, der noch tiefer ging.
Ihr Mann war sehr plötzlich gestorben. Sie stand nun allein in dem großen Familienhaus, in dem beide gemeinsam gelebt hatten. Sie sah mich an und sagte:
„So jemanden wie dich, mit deiner Ausbildung und deinem Gespür, könnte ich jetzt gut gebrauchen.“
Dieser Satz blieb bei mir.
Das Haus war noch dasselbe. Und doch war für sie darin nichts mehr selbstverständlich. Räume, Dinge und Gewohnheiten erzählten weiterhin von ihrem gemeinsamen Leben, während sie selbst versuchte zu begreifen, wie ihr Leben ohne ihn weitergehen konnte.
Da begann ich anders über das nachzudenken, was Räume nach einem Abschied bedeuten können.

Ich nahm mir Zeit, bevor ich daraus etwas machte
Nach mehr als zwanzig Jahren mit Architekturtext wusste ich, dass sich meine Arbeit verändern sollte.
Aber ich wusste noch nicht, wie.
Ich hätte mich an meinen Schreibtisch setzen, ein Konzept schreiben und möglichst schnell eine neue Richtung festlegen können.
Stattdessen ging ich für einen Monat auf einen ökologischen Hof an der Ostsee.
Ich versorgte Tiere, erntete Obst und Gemüse, legte Beete an und jätete Unkraut. Nach der Arbeit schwamm ich im See. Ich lebte mit Menschen zusammen, deren Alltag ganz anders war als meiner.
Es entstanden inspirierende Gespräche und viele neue Gedanken.
Welche davon wirklich zu mir gehörten, merkte ich vor allem in den stillen Momenten.
Diese Zeit hat etwas in mir verändert.
Ich vertraue offenen Fragen heute mehr.
Ich muss eine Unsicherheit nicht sofort mit einem Plan beantworten.
Manches wird erst deutlich, wenn ich lange genug neugierig beobachte.

Auch ich brauchte einen klaren Blick von außen
Als ich danach begann, meine Selbstständigkeit neu auszurichten, war mein Kopf voller Ideen.
Ich sah vieles und gerade deshalb konnte ich irgendwann nicht mehr erkennen, was davon wesentlich war.
Also holte ich mir selbst professionelle Unterstützung.
Mein Gegenüber hörte zu, fragte nach, sortierte mit mir und half mir, Verbindungen zu erkennen, die ich aus meiner eigenen Nähe heraus nicht mehr sehen konnte.
Sobald die Grundlage und die Richtung klar waren, konnte ich wieder selbst weitergehen.
Genau diese Erfahrung ist mir wichtig.
Unterstützung bedeutet für mich nicht, dass jemand anderes die Antwort für mich kennt. Sie kann mir helfen, wieder zu erkennen, was ich selbst längst wahrnehme, aber gerade nicht greifen kann.
Auch eine Freundin half mir in dieser Zeit, etwas an mir selbst deutlicher zu sehen.
Sie beschrieb, wie sie mich erlebt: dass ich ruhig bleibe, auch wenn vieles gleichzeitig da ist. Dass ich genau zuhöre, Zwischentöne wahrnehme und mich tief auf einen Menschen einlassen kann. Und dass ich bei all dem den Blick dafür behalte, was im wirklichen Leben trägt und machbar ist.
Ihre Worte haben mich berührt.
Vor allem, weil vieles davon für mich selbstverständlich war.
Ich hatte nie darüber nachgedacht, dass genau darin eine besondere Qualität liegen könnte.
Heute kann ich sie besser benennen:
Ich nehme viel wahr, frage weiter und ordne, was zunächst schwer zu greifen ist. Ich sehe Möglichkeiten und Zusammenhänge. Und ich weiß, dass meine Wahrnehmung immer nur ein Angebot sein kann.
Der andere entscheidet, was davon für ihn stimmt.
Vielleicht berühren mich solche Momente deshalb so. Wenn jemand etwas in Worte fasst, das ich selbst noch nicht sehen konnte, verändert sich mein Blick.
Die Antwort kommt dadurch nicht von außen.
Aber ich kann mich selbst wieder anders sehen und von dort aus weitergehen.

Was heute zusammenkommt
Heute verbindet sich vieles, was lange nebeneinander zu meinem Leben und meiner Arbeit gehörte: mein architektonischer Blick, meine Erfahrung mit Räumen, meine Arbeit mit Sprache, mein genaues Zuhören und meine feine Wahrnehmung.
Dazu kommen meine eigenen Erfahrungen mit Übergängen.
Mein Sohn ist bereits ausgezogen, meine Tochter lebt noch mit uns. Als Eltern bleiben mein Partner und ich verbunden, als Paar gehen wir getrennte Wege.
Ich kenne also auch aus meinem eigenen Leben dieses merkwürdige Dazwischen: Etwas Vertrautes verändert sich und eine neue Form ist noch nicht einfach da.
Und ich kenne den Wunsch, möglichst schnell zu wissen, wie es weitergeht.
Heute weiß ich, wie leicht man dabei über die eigenen wirklichen Bedürfnisse hinweggehen kann.
Genau deshalb ist das Innehalten für mich kein Stillstand.
Es ist oft der Moment, in dem ich wieder hören kann, was tatsächlich zu mir gehört.
Wenn wir uns gegenübersitzen
Vielleicht hast du schon hundertmal über deine Situation nachgedacht.
Vielleicht hast du mit Freunden gesprochen, Listen gemacht, Möglichkeiten durchgespielt und trotzdem das Gefühl, dich im Kreis zu drehen.
Oder du kannst noch gar nicht sagen, was eigentlich deine Frage ist.
Du musst bei mir weder gefasst sein noch wissen, was du willst.
Ich höre dir zu. Ich frage weiter. Ich achte auf das, was du sagst – und auf die Stellen, an denen etwas nicht ganz zusammenpasst.
Wenn ich etwas wahrnehme, teile ich es mit dir. Du prüfst, ob es für dich stimmt.
Ich weiche schwierigen Fragen nicht aus. Gleichzeitig dränge ich dich zu keiner Antwort.
Ich werde dir nicht sagen, wie dein Leben weitergehen soll.
Mir ist wichtig, dass du nach unserer Begegnung besser unterscheiden kannst:
- Was trägt dich heute?
- Was kostet dich Kraft?
- Was braucht eine Entscheidung?
- Und was darf noch Zeit haben?
Ich beobachte und führe.
Du entscheidest und gehst weiter.
Wenn du mit mir auf deine Situation schauen möchtest
Der Orientierungsraum ist unsere erste persönliche Begegnung.
Du darfst mit dem kommen, was dich gerade beschäftigt – auch wenn noch nichts sortiert ist.
Wir schauen gemeinsam auf deine Lebenssituation, deinen Alltag und dein Zuhause und darauf, welche Frage für dich im Moment wirklich wichtig ist.

Wie ZWISCHEN RÄUMEN entstanden ist
Im Gespräch mit Susanne Kleiner, Krisenberaterin für den Mittelstand und Coach, erzähle ich von meinem Weg zu ZWISCHEN RÄUMEN.
Und ich vermittle, warum für mich Veränderung und Räume so eng miteinander verbunden sind.

